Die Dreadreise: Wie Dreads sich im ersten Jahr entwickeln

Dreads zu tragen ist eine wunderbar unkomplizierte Sache. Kein Stylen am Morgen, keine Pflegeprodukte, keine Haarsprays, Gels und Co. – herrlich! Einfach offen tragen, eine Frisur binden oder einen schlichten Zopf aus den Dreads machen, schon kann man innerhalb weniger Minuten fertig und glücklich in den Tag starten.

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Maya Cave „dreadiegirl“ on Instagram

Die Dreadreise – kein Kurztrip sondern einmal um die Welt

Doch bevor Deine Dreads so funktionieren und perfekt für Dich aussehen, ist es ein weiter Weg. Zwischen dem Erstellen der Dreads und einem Kopf voller gefilzter, reifer Dreads liegt eine lange Zeit, die Höhen und Tiefen mit sich bringt und eventuell sehr viel Arbeit. Nicht ohne Grund sprechen viele Dreadheads von ihrer „Dreadreise“. Und dabei denken sie nicht an einen Wochenendtrip in die Nachbarstadt, sondern an eine lange, ausführliche Weltreise durch viele bunte Länder auf dem ganzen Globus.

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Lina „carry_fornia“ on Instagram

Ein anderer schöner Vergleich ist der mit den Wurzeln eines Baumes. So wie auch ein Baum nicht von Anfang an dicke, lange Wurzeln im Boden hat, so müssen auch Eure Wurzeln erst wachsen und sich entwickeln.

Natural oder Studio?

Nun muss man noch unterscheiden, was für Dreads sich der neu geborene Dreadhead am Anfang seiner Reise vorstellt. Möchte er sogenannte „natural Dreads“ mit vielen losen Häarchen, Schlaufen, Knoten und teilweise offenen Strähnen, dann fällt seine Reise sehr viel kürzer aus. Ein solcher Look verlangt nicht nach Pflege und Zuwendung. Werden aber sogenannte „perfekte Dreads“ oder „Studio Dreads“ gewünscht, dann dauert der Weg dorthin deutlich länger.

In diesem Artikel geht es um „Studio Dreads“, denn diese fertige ich für Euch an. Auf ihrer Dreadreise brauchen sie viel Zeit und Pflege. Im Folgenden habe ich noch einige Infos für Euch, damit Ihr einen Eindruck bekommt, was auf Euch als neue Dreadträger zukommen kann. Wie Eure Dreads sich dann in der Realität entwickeln, wie stark sie fusseln, wie sehr sie sich verdicken und wie viel Häkelarbeit sie wirklich benötigen, werdet Ihr erst merken, wenn Ihr sie tragt. Denn das Gesamtbild hängt von so vielen Faktoren ab, dass es sich nicht vorhersagen lässt. Das ist wie mit dem Wetter: vermutlich sonnig, eventuell Wölkchen und Platzregen…

Haartyp und Haarstruktur

Verschiedene Haartypen verfilzen unterschiedlich gut. Afrikanisches Haar zum Beispiel filzt schnell und problemlos, während Europäisches Haar sich meistens strikt dagegen wehrt und viel mehr Arbeit abverlangt. Die Haarstruktur (dick, dünn, glatt, rauh) kann ebenfalls entscheidend sein, wie viel oder wenig Pflege die Dreads brauchen. Auch spielt es eine Rolle, wie gesund das Haar vor dem Dreaden war. Gesundes Haar ist glatt und wendig, es stiehlt sich leicht aus den Dreads heraus, während durch Dauerwelle, Blondieren und Färben geschädigtes Haar viel leichter die Dreadform behält.

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Unter den Fusselhaaren stecken schon richtig schöne Dreads

Es ist also mehr als schwierig vorherzusehen, wie die Haare im Einzelfall mit der neuen Situation klar kommen werden. Sicher ist: Dreads fusseln im ersten Jahr, zum Teil so sehr, dass der betreffende Dreadhead sich fühlt, als würde er konstant in die Steckdose greifen. Kaum sind die Dreads frisch verhäkelt, geht das Fusseln schon wieder los. Ausserdem können gelegentlich Schlaufen oder kleine Verdickungen entstehen, die man beim Pflegetermin aber ebenfalls wieder verhäkeln kann.

Vorbereitung

Um den Haaren bei der Reise zu helfen, könnt Ihr sie vor dem Dreaden darauf vorbereiten. Das heisst: austrocknen und griffig machen. Zum Beispiel durch Haarefärben, Blondieren oder Dauerwellen. Kommt das nicht in Frage, könnt Ihr schon Wochen vor Eurem Termin damit beginnen, die Haare nur noch mit Kern- oder Dreadseife zu waschen. Auch Kuren mit Kieselerde helfen, so wie auch Salzwasser und Sonne oder selbstgemachtes Salzwasserspray, das immer wieder auf das Haar gesprüht wird.

Was Ihr unbedingt während der Vorbereitung vermeiden solltet sind: alle pflegenden und weichmachenden Substanzen. Pflegende Shampoos, Spülung, Haarkur, Fönschutz, Spitzenfluid, etc.

Übrigens lohnt es sich die Bürstenhaare (alle Haare, die Ihr noch so im Laufe der Vorbereitungszeit verliert) aufzuheben. Damit kann man später während der Dreadreise noch gut was anfangen. Zum Beispiel eine dünne Stelle verdicken, oder einen Dread ein Stück verlängern, etc.

Dreads entwickeln sich – aber langsam, ganz langsam

JohannesThelxepeia
JohannesThelxepeia

Natürlich wünscht sich jeder neue Dreadhead gleich so auszusehen, wie er sich das Endziel vorstellt. Doch das funktioniert in den meisten Fällen so nicht. Und es ist völlig normal, das es nicht funktioniert. Denn Haare verfilzen nicht von jetzt auf gleich – das muss jedem angehenden Dreadträger von Anfang an bewusst sein, damit keine Enttäuschungen entstehen.

Besonders Europäisches Haar braucht viele, viele Monate zum Verfilzen. Dreads sind keine Frisur für den Moment, sondern müssen sich in langsamen Schritten erst zu echten, reifen Dreads entwickeln. Das bedeutet, dass sie viele Male neu gehäkelt und gepflegt werden müssen, um doch kurze Zeit später wieder mehr oder weniger zu fusseln. Mit jedem neuen Verhäkeln jedoch, filzen weitere Haare mit in den Dread ein. Schritt für Schritt geht es so weiter. Auch wenn der Fortschritt in manchen Fällen nur sehr langsam zu erkennen ist, so geht es doch kontinuierlich voran. Vertrauen, Geduld und Gelassenheit sind in dieser Zeit die besten Begleiter.

Habt Ihr durchgehalten und herrlich verfilzte, wunderbare Dreads erreicht, werden in den meisten Fällen – nicht in allen natürlich – dennoch die Ansätze nicht von allein weiterfilzen. Auch hier ist es nötig, die Ansätze zu bearbeiten und in den Längen ab und zu noch lose Haare zu verhäkeln. Es sei denn, diese stören den Dreadhead nicht.

Wie Dreads in der Entwicklungsphase aussehen können

Beispielarbeiten von Ivonne
Neuss (NRW/Deutschland), www.dreadlocktussi.de
Felix
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Felix (von Ivonne aus Neuss (NRW/ Deutschland), www.dreadlocktussie.de)

Bild 1 – Felix mit neu erstellten Dreads
Bild 2 + 3  – Die Entwicklung nach 4 Monaten vor dem Pflegetermin
Bild 4 – 4 Monate alt nach dem Pflegetermin

Vanessa
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Vanessa (von Ivonne aus Neuss (NRW/ Deutschland), www.dreadlocktussie.de)

Bild 1 – Vanessa vor einem Häkeltermin
Bild 2 – Nach dem Termin
Vanessa gehört zu den Dreadheads, die in sehr kurzen Abständen zum Nachhäkeln kommen müssen, da ihre Haare nur langsam filzen und besonders am Ansatz immer wieder sehr viel loses Haar hervorkommt.

Arian
Arian
Arian (von Ivonne aus Neuss (NRW/ Deutschland), www.dreadlocktussie.de)

Bild 1 – Arian mit frisch erstellten Dreads
Bild 2 – Vor der ersten Dreadpflege
Bild 3 – Nach der ersten Dreadpflege


Beispielarbeiten von Nici
Marktl (Bayern/Deutschland), www.facebook.com/filzfee.dreads
Nina
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Nina (von Nici aus Marktl (Bayern/Deutschland), Filzfee Dreads – Bastelei)

Bild 1 – Ninas neue Dreads
Bild 2 – Dreadentwicklung nach 2 Monaten vor dem Häkeln
Bild 3 – Dreads mit 2 Monaten nach dem Häkeln


Beispielarbeiten von Lena
Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de
Henrik
Henrik
Henrik (von Lena aus Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de)

Bild 1 – Henrik nach der Dreaderstellung
Bild 2 – Nach 8 Wochen vor der Pflege
Bild 3 – Nach 8 Wochen nach der Pflege
Bild 4 + 5 – Dreads sind fast 1 Jahr alt

Jonas
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Jona (von Lena aus Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de)

Bild 1 – Jonas neue Dreads
Bild 2 – Dreads sind 6 Monate alt vor der Pflege
Bild 3 – Mit 6 Monaten nach der Pflege
Bild 4 – 8 Monate nach der Erstellung
Bild 5 – 1 Jahr nach der Erstellung

Alex
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Alex (von Lena aus Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de)

Bild 1 – Alex neue Dreads
Bild 2 – Vor der Pflege nach ca. 10 Monaten
Bild 3 – Nach der Pflege

Miene
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Miene (von Lena aus Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de)

Bild 1 – Neue Dreads
Bild 2 – Dreads nach ca. 4 Wochen vor der Pflege
Bild 3 – Dreads nach der Pflege

Zoe
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Zoe (von Lena aus Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de)

Bild 1 – Zoe mit neuen Dreads
Bild 2 – Nach 7 Monaten

Sarah
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Sarah (von Lena aus Ganderkesee (Niedersachsen/ Deutschland), www.dreadloop.de)

Bild 1 – Neue Dreads
Bild 2 – 3 Monate alte Dreads
Bild 3 – 9 Monate alt
Bild 4 – 1 Jahr und 7 Monate alt


Beispielarbeiten von Swidel
(Walzenhausen am Bodensee/Schweiz)
Lilo
LiloEntwicklung
Lilo (Swidel)

Bild 1 – 6 Monate alt
Bild 2 – Nach 6 Monaten frisch gehäkelt

Maik
MaikEntwicklung
Maik (Swidel)

Bild 1 – Frische Dreads
Bild 2 – 5 Monate nach Erstellung vor der ersten Pflege
Bild 3 – 5 Monate nach Erstellung frisch gehäkelt


 

Dreads fusseln: Was könnt Ihr nun dagegen tun?

Sobald Eure Reise voran geschritten ist und Euch die Fusselei stört, könnt Ihr folgende Dinge ausprobieren, um sie in den Griff zu bekommen:

  • Häkeln

    Als erstes gilt natürlich: häkelt die losen Häarchen ein oder lasst sie einhäkeln. Euer Dreadstylist hilft Euch gern, aber vielleicht kriegt Ihr auch selber den Dreh raus oder findet eine/n Freund/in, der/die Euch helfen mag.

  • Ansätze voneinander lösen

    Ebenfalls sehr wichtig ist, dass Ihr die einzelnen langen Häarchen die hervorschauen, vom Zusammenfilzen abhaltet. Nach jedem Waschen und Trocknen solltet Ihr alle Dreads sorgfältig voneinander trennen.

  • Richtiges Shampoo/Seife

    Benutzt konsequent (aber immer sehr sparsam) Dreadshampoo oder Dreadseife. Diese sind darauf ausgelegt, den Filzprozess zu fördern. Normales Shampoo (auch Naturkosmetik) enthält immer auch pflegende Substanzen. Hier scheiden sich allerdings die Geister und ein bisschen Ausprobieren, was Dreads und Kopfhaut gut tut, kann sicher nicht schaden.

  • Palm Rolling

    Zwischendurch und/oder nach dem Waschen und Fönen könnt Ihr die Dreads einzeln zwischen den Handflächen rollen. Das macht Arbeit, aber es kann durchaus helfen, die losen Häarchen anzulegen.

  • Salzwasserspray

    Salz trocknet das Haar aus und fördert den Filzprozess. Daher kann man die Dreads regelmässig mit Salzwasserspray leicht besprühen (nicht nass machen). Das lässt sich mit Palm Rolling kombinieren.

  • Reibung vermeiden

    Jede Reibung holt lose Haare aus den Dreads. Nach dem Waschen sollten die Haare also nicht mit dem Handtuch bearbeitet, sondern lediglich eingeschlagen werden. Statt einem Fön empfiehlt es sich, eine Trockenhaube zu verwenden, damit weniger Bewegung zwischen den Dreads entsteht. In der Nacht kann ein dünnes Tuch um die Dreads gebunden werden, damit sie weniger über Kissen und Decken reiben.

  • Regelmässig Waschen

    Dreads filzen besser, wenn sie sauber sind. Fettige Ansätze filzen langsam oder gar nicht. Daher sollten die Dreads regelmässig gewaschen werden. Immer sehr gut und lange ausspülen, um Rückstände zu vermeiden, die wiederum das Filzen erschweren würden.

  • Trocken halten

    Dreads filzen besser, wenn sie trocken sind. Daher sollten sie nach dem Waschen sehr gut getrocknet werden, eine Trockenhaube ist dabei hilfreich und verursacht weniger Reibung und Bewegung als der Fön.

  • Heiss trocknen

    Hitze tut normalen Haaren nicht gut, daher ist sie hilfreich, um die Dreads trocken, rauh und filzwillig zu machen. Eher heiss als nur lauwarm unter der Trockenhaube trocknen kann also den Filzprozess unterstützen.
    Allerdings gilt dies nur für die ersten Monate. Dann lieber nur noch warm trocknen, um sie nicht mehr als nötig auszutrocknen.

 

Geduld, Geduld, Geduld

Bei allen unvorhersehbaren Umständen und dem zum Teil sehr hohen Pflegeaufwand ist eines jedoch ganz eindeutig: frisch gemachte Dreads können nicht aussehen und sich nicht verhalten wie Dreads, die nach Jahren gereift und wunderschön geworden sind.

Dreads wünschen sich vom neuen Träger neben all der Aufmerksamkeit und richtigen Pflege vor allem eins:

Geduld.

Schenkt Ihnen Zeit! Erlaubt Ihnen, auch mal wirr auszusehen. Die Tage WERDEN kommen, an denen sie Euch endlich für Eure Geduld belohnen!

Tonja
Glücklich!

Und am Ende noch ein Rat: bleibt trotz des nötigen Arbeitsaufwandes gut gelaunt.

Glückliche Dreads sind schönere Dreads!

 

Danksagung: Mein Dank gilt allen Dreadlockstylisten und Dreadheads, die mir erlaubt haben, ihre Fotos in diesem Artikel abzubilden. Herzlichen Dank für Eure Unterstützung! Ihr seid die Besten! ♥

 

 

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